Eine weitere Herausforderung für unseren Wald zeigt sich derzeit durch ein gehäuftes Auftreten des Eichenprachtkäfers. Die einzige Antwort der Forstverwaltung – Fällen der Bäume! Dies kann nicht die einzige Antwort sein! Der BUND Rheingau-Taunus wendet sich gegen ein voreiliges Handeln der Forstverwaltungen. Er verweist auf Aussagen des Forstzoologen der Technischen Universität Prof. Dr. Seibert.
Der bisher sehr unauffällige Eichenprachtkäfer(EPK) breitet sich in einzelnen Waldschlägen mit Eichen aus – auch im Rheingau-Taunus-Kreis. Befallene Eichen sterben innerhalb weniger Jahre ab. Wie beim Fichten- und Buchensterben soll die Trockenheit der letzten Jahre die wichtigste Ursache für eine Schwächung der Eichen und damit der besseren Lebensbedingungen für den EPK sein.
Auf Vorschlag des Forstamtes sollen nun in vielen Wäldern aus wirtschaftlichen Gründen befallene Eichen kurzfristig gefällt und abtransportiert werden.
Diese Maßnahme soll die Vermarktung von wertvollem Eichenholz ermöglichen, bevor die Eichen abgestorben sind und um einen weiteren Befall von geschwächten Bäumen zu verhindern.
Ob mit dieser Maßnahme die Verbreitung des EPK gestoppt werden kann, ist zu bezweifeln.
Diese Zweifel sind begründet damit, dass der EPK nicht nur die Stämme, sondern auch dickere Äste und Stümpfe befällt. Eine vollständige Beräumung der Flächen von Eichenresten wird nicht möglich sein und für den Wald und Boden nicht zielführend. Nach Aussagen von Forstzoologen würde eine Eindämmung der Käferausbreitung die Entfernung von 90 % des besiedelbaren Materials erfordern. Ein Artikel in der Zeitschrift AFZ-Der Wald beschreibt, dass die sogenannten „Santitärhiebe“ die durch die Dürre ausgelösten Entwicklungen nicht aufhalten können und die Biodiversität gefährden.
Des Weiteren ist der EPK ein einheimischer Käfer, der beim Vorkommen von geschwächten Eichen gute Lebensbedingungen findet. Es ist nicht belegt, dass der Käfer für das Eichensterben ursächlich ist, da er ein Sekundärschädling ist, der nur ohnehin extrem geschwächte Bäume befällt und zum Absterben bringt.
Die Entnahme von geschwächten und befallenen Eichen wird auf Dauer da notwendig sein, wo es um Sicherheitsfragen an Wegen geht.
Auch hält der BUND Rheingau-Taunus die Empfehlungen der Forstämter für kritisch, da bei der aktuellen Nässe die Entnahme der befallenen Eichen überhaupt nur unter Inkaufnahme von erheblichen Bodenschäden möglich sein wird.
Wenn auch Stümpfe und stärkeres Kronenholz vom EPK befallen sind, müssten ggf. auch Stümpfe und Kronen entfernt werden. Ist der Aufwand dafür im Verhältnis zum Schaden am Waldökosystem überhaupt gerechtfertigt?
Es ergeben sich zudem weitere Fragen, in Bezug auf die bisherigen Strategien zur Aufforstung von Fichten-Kalamitätsflächen, Naturschutzgebiete, FFH-Gebiete und Nachbarforsten, die ggf. eine andere Strategie verfolgen.
Die Nachteile eines voreiligen Handels der Forstverwaltungen wird leider sein, dass das Waldökosystem über die Maßen gestört wird, da insbesondere alte Eichen die wertvollsten Bäume für die Artenvielfalt (Biodiversität) in unserem Wald darstellen. Auch tote Eichen sind Lebensraum für sehr viele Tiere. Die Entfernung von allen EPK-befallenen Eichen, dem Eichen-Totholz sowie den Eichen-Stümpfen reduziert diese Lebensräume erheblich. Der BUND Rheingau-Taunus fordert daher die Gemeinden und Forstverwaltungen auf, nicht überstürzt zu handeln, sondern eine Übersicht zu erstellen, ein mit dem Naturschutz abgestimmtes Konzept vorzulegen, welches sich auf den Nachweis der Wirksamkeit der Maßnahmen stützt.